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25.10.2019

SERIE GC LEGENDEN | EINER DER GRÖSSTEN SCHWEIZER SQUASHER

Wolfgang „Wolfi“ Zollinger war der grösste Schweizer Squasher seiner Zeit. 1980 bis 1982 wurde er dreimal Schweizer Einzelmeister, 1981 - 1984 viermal Senioren Schweizermeister und erreichte weitere Erfolge mit der Schweizer Nationalmannschaft und dem GC Interclub-Team. Zeit seiner Aktivkarriere spielte er für den Grasshopper Club Zürich.

„Ich hätte als 50-Jähriger, als die Mehrzahl meiner Squash-Kollegen auf den Golfplatz gingen, ebenfalls mit diesem Sport beginnen sollen“, sinniert Wolfi Zollinger auf dem Balkon seines „Alterssitzes“ in Amden und geniesst den Blick auf den Walensee und die diesen umgebenden Berge. Wolfgang Zollinger, oder wie ihn alle rufen, „Wolfi“, wechselte aber nicht auf den Golfplatz, sondern verbringt den Grossteil seiner in der Pension gewonnenen Freizeit mehrheitlich im grossen Garten seines Anwesens. Allein den Rasen lässt er von einem Roboter mähen, alle anderen Tätigkeiten verrichtet er von Hand - und schätzt, sich an der frischen Luft körperlich betätigen zu können.

Seinen Sport hingegen verrichtete er während rund 30 Jahren in den Squash-Courts, und dies sehr erfolgreich. Seine Karriere in nackten Zahlen: 3 Schweizermeistertitel bei 5 Finalteilnahmen, 4 Senioren-Schweizermeister-Titel, mehrfacher Interclubmeister mit GC, 9. mit der Schweiz an der Mannschafts-EM 1982 in Cardiff. Sein absoluter Höhepunkt: 1982 feierte er den Schweizermeister-Titel Herren und auch Senioren und gewann mit dem GC Team die Interclub-Meisterschaft.

„Aber das ist ja alles inzwischen so weit weg“, wiegelt Wolfi Zollinger bei einem Glas gespritztem Weisswein ab. „Das sind tempi passati. Klar, ich habe eine Epoche durchlebt, habe viele tolle Erfolge, Erlebnisse und auch Freundschaften gehabt durch den Squash-Sport, den ich nahezu 30 Jahre mit Leidenschaft praktizierte. Aber ich denke oft, wenn ich heute am Bildschirm Squash-Spiele verfolge, dass wir zu unserer Zeit fast eine andere Sportart betrieben haben. Die Spieler wurden viel athletischer, antizipieren viel besser, das Material machte Quantensprünge, die Technik veränderte sich usw.“ Trotz aller Entwicklung, Wolfi Zollinger muss sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Will heissen, dass ihn seine Bescheidenheit ehrt, er sich aber nicht unter Wert verkaufen muss, seine Fähigkeiten ruhig offen zeigen kann. Er war zu seiner Zeit ein ganz Grosser in der Schweizer Squash-Szene.

Begonnen hat alles in Südafrika. Dahin war er als eben ausgelernter Tiefdruckätzer, im zarten Alter von zwanzig Jahren, zusammen mit einem Kollegen ausgewandert. In Kapstadt, wo Spezialisten für den Tiefdruck gesucht worden waren, arbeitete er auf seinem Beruf, lernte seine Frau kennen, wurde zweifacher Vater und kam sportlich über das Tennis zum Squash. Er erreichte ein beachtliches Niveau und qualifizierte sich je zweimal für für das C- und B-Team der Western Province. Das bedeutete, unter den 15 respektive 10 besten Spielern ausgewählt worden zu sein, um im Jarvis Cup zu spielen, dem absoluten Highlight im südafrikanischen Turnierkalender. Ab 1979 verdiente er in der Schweiz während drei Jahren seinen Lebensunterhalt als Profi und gab Squash-Stunden, und spielte für den Grasshopper Club, dem er bis zum Ende seiner Aktivzeit die Treue hielt: „Für mich kam nie ein Wechsel in Frage, beim GC fühlte ich mich zuhause.“ Im Interesse einer finanziellen Absicherung entschloss er sich 1982, die Familie nachzuholen und baute hier eine neue berufliche Existenz auf, arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Instruktor und Berater für Druckmaschinen im grafischen Gewerbe. Und Wolfi Zollinger reüssierte im Squash, der Sportart, die zu jener Zeit in der Schweiz am Anfang einer grossen Entwicklung stand. Schon bald war er in der Schweizer Rangliste die Nummer eins, feierte wie erwähnt Erfolge im Einzel und im Team. „Rückblickend kann ich feststellen, im richtigen Augenblick in die Schweiz zurückgekommen zu sein, konnte die starke Entwicklung hierzulande im Squash miterleben.“ Mitgestalten, wäre eigentlich die richtige Bezeichnung, sei hier angemerkt. Denn mit seiner Performance leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Squash in der Schweiz. 1976 zählte man zum Beispiel hierzulande erst drei (nicht öffentliche) Squash-Anlagen mit sechs Boxen. Sechs Jahre später waren es bereits über 100 Centers mit mehr als 300 Courts. Der Squash-Verband wies rund 6000 Aktive in 45 Klubs aus, insgesamt spielten 70 000 bis 90 000 Schweizer Squash. Der damals 37-jährige Zollinger gab dem Tages-Anzeiger zu Protokoll: „Für mich wird es immer schwieriger, den Titel zu verteidigen, die Jungen werden immer besser“. Heute weiss man, dass Wolfi Zollinger mit den Jungen mithielt. In seinem persönlichen Archiv stösst man auf seine schriftliche Mitteilung an den GC, dass „1996 endgültig meine letzte Interclub Saison war. Fehlende Motivation und hauptsächlich ungenügende körperliche Fitness haben mit zu diesem Schritt veranlasst. Ich werde aber solange die Füsse tragen, dem Grasshopper Squash im Senioren- und Grufti-Bereich erhalten bleiben (...). Auch die Antwort von Andreas „Andy“ Fritschi (damals als Vorstandsmitglied zuständig für die Spielleitung) ist feinsäuberlich abgelegt, worin zu lesen ist: (...) „Ich glaube sagen zu dürfen, dass Deine Squashkarriere wohl einmalig war in der Schweiz. Du warst für viele junge Squasher immer ein Vorbild und auch in Idol. Dein unermüdlicher Einsatz für die Mannschaft und den Club werden uns immer in Erinnerung bleiben (...)“. Da gibt es nichts hinzuzufügen.

Eugen Desiderato